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Die Diagnose eines Funktionellen Hallux limitus wird in der klinischen Untersuchung gestellt, anhand eines spezifischen Tests in drei Phasen — des FHL-Stretch-Tests — ergänzt durch neun hinweisende Zeichen, die ohne besondere Hilfsmittel erkennbar sind.
Anders als viele Erkrankungen des Fusses zeigt sich der FHL weder im Röntgenbild noch im MRI noch in der statischen Untersuchung. Um ihn nachzuweisen, braucht es einen spezifischen dynamischen Test. Dieser Test, der FHL-Stretch-Test, ist der Schlüssel zur klinischen Diagnose. Er wird in der Praxis ohne Hilfsmittel in drei standardisierten Phasen durchgeführt.
Klinischer Test in drei Phasen, der die Streckfähigkeit des Grosszehengrundgelenks (MTP 1) prüft, während das Sprunggelenk in maximaler Dorsalextension gehalten wird. Ein positiver Test (Unmöglichkeit, die Grosszehe zu strecken) belegt die blockierte Gleitfähigkeit der Sehne des Flexor Hallucis Longus im retrotalaren Tunnel.
Der Test wird in Rückenlage auf einer Untersuchungsliege durchgeführt. Jede Phase muss in der vorgegebenen Reihenfolge eingehalten werden, damit das Ergebnis verlässlich ist.

Drei aufeinanderfolgende Phasen — rund 30 Sekunden pro Seite
Patientin oder Patient in Rückenlage, Sprunggelenk in Plantarflexion. Die freie Beweglichkeit des MTP 1 in Ruhe wird geprüft.
Das Sprunggelenk wird durch festen Druck mit der Handfläche unter den ersten Mittelfussstrahlen und mit dem Körpergewicht in maximale Dorsalextension gebracht.
Auf das MTP 1 wird eine Dorsalextension ausgeübt, indem die Zehe nach hinten gedrückt wird. Der Widerstand oder das Fehlen von Widerstand bestimmt das Ergebnis.
Das Ergebnis ist binär und sofort ablesbar. Die Sensitivität des Tests ist hoch, weil er den pathophysiologischen Mechanismus des FHL direkt prüft.
Die Grosszehe bleibt trotz Druck blockiert. Der Test belegt die blockierte Gleitfähigkeit der FHL-Sehne im retrotalaren Tunnel. Die Diagnose FHL ist gestellt.
Die Grosszehe streckt sich normal. Die FHL-Sehne gleitet einwandfrei in ihrem Tunnel. Kein FHL — die Abklärung weist auf eine andere Ursache hin.
Der Test ist beidseitig durchzuführen, auch bei einseitigen Beschwerden. Der FHL ist häufig beidseitig, und der Vergleich beider Füsse hilft, eine Asymmetrie der Beweglichkeit objektiv zu erfassen.
Fällt der Test positiv aus, erlaubt ein spezifisches Manöver, die Gleitfähigkeit der Sehne wiederzuerlangen und den Mechanismus zu bestätigen. Im Centre Orthopédique d’Ouchy entwickelt, besteht es darin, das untere Sprunggelenk durch Zug in der Achse des Unterschenkels mit kleinen Scherbewegungen zu mobilisieren. Ein Gelenkklicken zeigt die Entriegelung an. Die Sehne findet dann wieder Raum zum Gleiten.
Die Patientin oder der Patient nimmt diese Befreiung als Spannung in der Wade wahr, entlang des FHL-Muskels, manchmal auch retromalleolär am Muskel-Sehnen-Übergang. Das Manöver ist zugleich diagnostisch (es bestätigt den FHL) und therapeutisch (es befreit die Sehne vorübergehend).
Die vollständige Darstellung dieses Signatur-Manövers, sein biomechanisches Prinzip und seine Rolle in der konservativen Behandlung.
Der FHL-Stretch-Test und das Manöver des Staubsaugerkabels wurden 2010 in einer internationalen Publikation förmlich beschrieben, die für die Vermittlung der Technik weiterhin massgebend ist.
Vallotton J., Cheverri S., Dobbelaere-Nicolas V., 2010, Journal of the American Podiatric Medical Association, vol. 100, Nr. 3, S. 220–229.
« Ein einfacher Test in drei Phasen, in weniger als einer Minute durchgeführt, genügt, um eine Funktionsstörung nachzuweisen, die einer Patientin oder einem Patienten jahrelang das Leben verleiden konnte. »
Centre Orthopédique d’Ouchy
Ergänzend zum Stretch-Test weisen mehrere bei der Untersuchung oder Inspektion sichtbare klinische Zeichen deutlich auf einen FHL hin. Ihr gehäuftes Auftreten erhärtet den diagnostischen Verdacht vor oder nach der Durchführung des Tests.
FHL-Sehne druckschmerzhaft unter der Fusssohle
Hyperkeratose an der Innenseite der Grosszehenkuppe
Kompensatorische Überstreckung des Interphalangealgelenks
Fehlende Schwiele unter dem Köpfchen des ersten Mittelfussknochens
Ausgeprägte Schwiele unter dem Köpfchen des fünften Mittelfussknochens
Krallenstellung der zweiten Zehe
Blockade des unteren Sprunggelenks
Abnutzung des Schuhs an der Aussenseite der Ferse
Abnutzung von Socke oder Einlage unter der Grosszehenkuppe
Einzeln betrachtet sind diese Zeichen nicht beweisend, doch ihre Kombination erhärtet den Verdacht. Das Vorliegen von drei oder mehr Zeichen bei symptomatischen Patientinnen und Patienten rechtfertigt die Durchführung des Stretch-Tests, selbst wenn keine lokalen Schmerzen an der Grosszehe bestehen.
Ergänzend zur Demonstration des Stretch-Tests am Anfang der Seite zeigt diese Videosequenz das Manöver des Staubsaugerkabels, so wie es im Centre Orthopédique d’Ouchy durchgeführt wird.

Die Diagnose ist gestellt. Als Nächstes gilt es, die biomechanischen Kompensationen mit der Mobilitätsabklärung objektiv zu erfassen und die Behandlung festzulegen.
Dauer des Tests
< 1 Min.
Position
Rückenlage
Benötigtes Material
keines
Phasen
3
Begleitzeichen
9
Durchführung
beidseitig