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Eine häufige biomechanische Störung, die wenig bekannt und schwierig zu diagnostizieren ist. Der Funktionelle Hallux limitus ist gekennzeichnet durch die Unmöglichkeit, die Grosszehe beim Abrollen des Schrittes zu strecken, mit Auswirkungen auf den gesamten Bewegungsapparat.
Der Funktionelle Hallux limitus ist eine biomechanische Funktionsstörung der Grosszehe, die ausschliesslich beim Gehen in Erscheinung tritt. In Ruhe bewegt sich die Grosszehe normal. Beim Abrollen des Schrittes jedoch, genau in dem Moment, in dem sie sich nach oben strecken müsste, um den Vortrieb zu ermöglichen, bleibt sie steif. Diese in der statischen Untersuchung unsichtbare Einschränkung hat dennoch Folgen für den gesamten Bewegungsapparat, entlang einer ganzen Kette.

Unmöglichkeit der Streckung des Grosszehengrundgelenks (MTP1) beim Abrollen des Schrittes. In der Abstossphase, wenn das Sprunggelenk in Dorsalflexion geht, bleibt das MTP1 blockiert und kann sich nicht strecken. Diese Funktionsstörung beruht auf einer Blockade der Sehne des langen Grosszehenbeugers (Flexor hallucis longus) bei ihrem Durchtritt durch den retrotalaren Tunnel (Tenodese-Effekt), die das freie Gleiten der Sehne verhindert.
Um den FHL zu verstehen, muss man sich die Rolle der Sehne des langen Grosszehenbeugers vor Augen führen, üblicherweise FHL genannt (Flexor Hallucis Longus). Diese Sehne geht vom Muskel in der Wade aus, zieht hinter dem Sprunggelenk durch einen anatomischen Kanal, den retrotalaren Tunnel, und durchquert danach die gesamte Fusssohle, bevor sie unter der Grosszehe ansetzt.
Wenn alles normal funktioniert, gleitet diese Sehne bei jedem Schritt frei in ihrem Tunnel, wie ein Kabel in einer Hülle. Beim FHL jedoch verklemmt sich die Sehne bei ihrem retrotalaren Durchtritt. Diese Blockade erzeugt das, was Biomechaniker den Tenodese-Effekt nennen: eine passive Spannung, vergleichbar mit der eines gespannten Seils.
Die FHL-Sehne verbindet die Wade mit der Grosszehe und zieht dabei durch den Rückfuss. Wenn sie nicht mehr frei im retrotalaren Tunnel gleitet, spricht man vom Tenodese-Effekt, dem zentralen Mechanismus des FHL.
Das normale Gehen gliedert sich in vier aufeinanderfolgende Phasen, die bei jedem Schritt ineinandergreifen. Der FHL stört eine ganz bestimmte Phase, die Abstossphase, in der die Mechanik des Fusses am meisten gefordert ist.
Vier Phasen für einen Schritt, der FHL stört die dritte.
Die Ferse trifft auf den Boden, der Fuss steht in Dorsalflexion.
Die ganze Fusssohle liegt auf dem Boden, das Körpergewicht verlagert sich nach vorne.
Die Grosszehe muss sich strecken. Genau hier blockiert der FHL die Bewegung.
Der Fuss hebt vom Boden ab und schwingt zum nächsten Fersenauftritt nach vorne.
Vom FHL gestörte Phase: die Sehne gleitet nicht mehr, die Grosszehe bleibt blockiert und verhindert den korrekten Vortrieb des Schrittes.
Der FHL ist eine verhältnismässig häufige Störung, dennoch bleibt er weitgehend unterdiagnostiziert. Drei Gründe erklären dieses Paradox.
Erster Grund: der FHL ist lokal wenig symptomatisch. Die Betroffenen verspüren oft keinerlei Schmerz an der Grosszehe selbst. Die Schmerzen treten in der Ferne auf, am Fuss, am Knie, an der Hüfte oder im Rücken, was die diagnostische Aufmerksamkeit auf die schmerzende Zone lenkt statt auf die gestörte.
Zweiter Grund: die klinischen Tests sind wenig bekannt. Die Beurteilung der Gleitfähigkeit des FHL und der Beweglichkeit des unteren Sprunggelenks gehört nicht zu den orthopädischen Standarduntersuchungen. Ohne diese spezifischen Tests bleibt der FHL unsichtbar.
Dritter Grund: die klassische Bildgebung zeigt ihn nicht. Ein Röntgenbild oder ein MRI in Ruhe zeigt keinerlei Auffälligkeit. Der FHL tritt erst in Bewegung zutage, in der Abstossphase des Schrittes, was eine dynamische Analyse erfordert, um ihn objektiv nachzuweisen.
« Wenn jemand wegen ungeklärter chronischer Rückenschmerzen in die Sprechstunde kommt, muss man die Ursache auch bei der Grosszehe suchen können. Genau dieser gedankliche Schritt verändert die Diagnose. »
Dr Jacques Vallotton, Centre Orthopédique d’Ouchy
Wenn der Fuss den Vortrieb nicht mehr korrekt leisten kann, kompensiert die gesamte untere Extremität. Der Körper passt sein Gangbild an, um die Blockade zu umgehen, was zu Gelenküberlastungen und Muskelverspannungen in der Ferne führt. Das nennt man die biomechanische Kaskade des FHL.

Diese Kaskade erklärt, weshalb Betroffene jahrelang wegen ihres Knies oder ihres Rückens in Behandlung sein können, bevor der Ursprung auf Höhe der Grosszehe erkannt wird. Die Seite Zeichen und Symptome beschreibt die sechs möglichen Schmerzzonen im Einzelnen, von der Grosszehe bis zur Lendenwirbelsäule.
Diese Störung wird mit zwei Bezeichnungen benannt, die dasselbe Phänomen beschreiben, mit einer Nuance im Gebrauch.
Mehrere visuelle Ressourcen helfen, den Mechanismus des FHL besser zu erfassen, von der 3D-Animation der langen Beugesehne bis zu den wissenschaftlichen Vorträgen des Medicol-Kongresses.
Wenn die Definition des FHL zu Ihrer Situation passt, besteht der nächste Schritt darin, die Zeichen und Symptome zu erkennen, um zu prüfen, ob Ihr Fall dazu passt.
Art
biomechanische Funktionsstörung
Sichtbar
nur beim Gehen
Betroffenes Gelenk
MTP1
Beteiligte Sehne
FHL
Ort der Blockade
retrotalarer Tunnel
Diagnostik
dynamische Tests
Die sechs Schmerzzonen des FHL, von der Grosszehe bis zum Rücken, und die Signale, die aufhorchen lassen müssen.
Die dynamische Beurteilung, die den FHL durch Analyse von Gang und Gleichgewicht objektiv nachweist.