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Die physiotherapeutische Behandlung des FHL beginnt mit einer eingehenden Abklärung und verbindet danach eine lokale Behandlung von Sehne, Fuss und Sprunggelenk mit einem umfassenden Ausgleich der Körperhaltung. Entscheidend ist die Bereitschaft der Patientin oder des Patienten, die Übungen zwischen den Sitzungen selbst durchzuführen.
Vor jeder Behandlung nimmt die Physiotherapeutin oder der Physiotherapeut eine eingehende Abklärung vor. Untersucht werden Haltung, Gang und Gleichgewicht, dazu die Gelenkfunktionen, die Muskeltestung und die Schmerzproblematik. Über diese Abklärung erschliessen sich die Kompensationsmechanismen und die Überlastungen, die aus einem ein- oder beidseitigen FHL folgen. Osteopathinnen und Osteopathen haben in diesem Zusammenhang auf eine häufige Blockade des thorakolumbalen Übergangs aufmerksam gemacht.
Die Behandlung ergibt sich aus diesen Beobachtungen, ergänzt durch die sportliche und sozialberufliche Anamnese sowie allfällige medizinisch-chirurgische Vorgeschichten. Damit die Behandlung Früchte trägt, erhalten die Patientinnen und Patienten ein detailliertes Programm, um die Übungen zwischen den Sitzungen selbst durchzuführen.
Sobald die Diagnose FHL gestellt ist, gilt es, das Gleiten der Sehne des langen Grosszehenbeugers mit dem sogenannten Manöver des Staubsaugerkabels wiederherzustellen: Zuerst wird das untere Sprunggelenk mobilisiert, danach werden selektive Dehnübungen an der Sehne durchgeführt.
Diese Dehnungen können in Rückenlage mit gestrecktem Knie erfolgen, aber auch in Bauchlage mit gebeugtem Knie, wobei das Körpergewicht genutzt wird, um das Sprunggelenk in Dorsalextension zu bringen und gleichzeitig die Zehe in Streckung zu drücken. Die Patientin oder der Patient lernt anschliessend, die Übungen selbst durchzuführen, indem der Vorfuss gegen eine Wand gestützt und gleichzeitig das Knie gebeugt wird, um die Sehne unter Spannung zu setzen. Dabei ist darauf zu achten, jede Pronations- oder Supinationsbewegung zu vermeiden.
Wie bei einem Staubsaugerkabel, das unter einem Tischbein eingeklemmt ist, nützt es nichts, in der Achse an der Sehne zu ziehen: Der Zugwinkel muss verändert werden, um sie freizubekommen. Das im Centre du pied entwickelte Manöver löst die Blockade durch Zug in der Achse des Fersenbeins mit fortschreitenden Scherbewegungen. Ist die Sehne einmal frei, wird der Stretch-Test negativ und die Dehnübungen werden endlich wirksam.
Vallotton J., Echeverri S., Dobbelaere-Nicolas V., 2010, Journal of the American Podiatric Medical Association, vol. 100, Nr. 3, S. 220–229.
Die Untersuchung richtet sich besonders auf den Verlauf des langen Grosszehenbeugers auf Höhe der Sesambeine. Eine beginnende Hallux-valgus-Fehlstellung oder eine Subluxation der Sesambeine geht nämlich häufig mit dem FHL einher: Der Sesambeinkomplex ist dann durch manuelle oder instrumentelle Hakengriffe zu rezentrieren.
Häufig treten zudem Schmerzen im Mittelfuss auf, bedingt durch die Überlastung des ersten Strahls. Eine Mobilisation des Lisfranc- oder des Chopart-Gelenks kann sich als nützlich erweisen, um dem gesamten Fuss seine Beweglichkeit zurückzugeben.
Das Sprunggelenk verdient besondere Aufmerksamkeit: Der Tenodese-Effekt am langen Grosszehenbeuger drängt das Sprungbein nach vorne, in eine anterolaterale Subluxation. Das Zurückführen des Sprungbeins nach hinten ist von Nutzen und kann durch Dehnübungen der Wadenmuskulatur gefestigt werden.
Propriozeptiv und muskulär zeigen sich häufig eine Atrophie der kurzen Fussmuskeln sowie eine Hypertonie der langen Beuger und des langen Wadenbeinmuskels. Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, zielen Kräftigungsübungen auf die kurzen Beuger, und das «Mienenspiel» des Fusses wird gefördert. Kleine Schaumstoffmatten unterstützen die Muskelkräftigung und die propriozeptive Kontrolle im Einbeinstand.
Fehlhaltungen wie den Fersenvarus vermeiden, das Barfussgehen nach Möglichkeit fördern und in jedem Fall auf Flip-Flops, Clogs und Crocs verzichten.
Der FHL führt zu einer Entkoppelung und einer veränderten Körperhaltung: Der Oberkörper wird nach vorne verlagert, die Lendenlordose sowie das Beugemoment von Hüfte und Knie verstärken sich. Die Beckenkippung nach vorne umgeht die Wirkung des mittleren Gesässmuskels, dessen Aufgabe der Piriformis übernimmt, der durch die übermässige Beanspruchung oft verkürzt und verspannt ist.
Die ganzheitliche Behandlung verbindet den muskulären Ausgleich durch selektive Dehnung der am stärksten verkürzten Strukturen mit der kapsulären Mobilisierung der eingeschränkten Gelenke, insbesondere der Hüfte. Das obere Tibiofibulargelenk ist häufig versteift und der Musculus popliteus durch die dauernden Kompensationsmechanismen verspannt.
In den ersten Sitzungen liegt der Schwerpunkt der Behandlung auf dem Fuss und der lumbopelvinen Statik. Die Kräftigung des dynamischen Gleichgewichts erfolgt anschliessend über Übungen wie Rückwärtsgehen oder Sprunglauf.
In der Regel sind rund sechs Sitzungen nötig, bis eine spürbare Besserung der Schmerzen eintritt, sei es an der unteren Extremität oder an der Wirbelsäule. Bleibt das Gleiten der Sehne blockiert, wird die Erholungsfähigkeit analysiert, bevor die Patientin oder der Patient allenfalls an die Chirurgie überwiesen wird.
Ergänzend kann die Anpassung von Fersenschalen die physiotherapeutische Behandlung unterstützen, ebenso die Osteopathie, die sich oft als sinnvolle Ergänzung erweist.
Das detaillierte Übungsprogramm, das den Patientinnen und Patienten abgegeben wird, steht zum Herunterladen bereit. Es dient als Leitfaden zwischen den Sitzungen, zu Hause.
Centre du pied — Übungsprogramm zur Abgabe an die Patientinnen und Patienten
Der praktische Workshop zu Physiotherapie und Osteopathie beim FHL, aufgezeichnet an den FHL-Workshops 2016.
Den Rumpf stabilisieren, um die durch den FHL gestörte Körperhaltung wiederherzustellen.
Erste Wahl
ja
Erstabklärung
systematisch
Sitzungen bis Erfolg
im Schnitt 6
Übungen zu Hause
täglich
Ergänzungen
Osteopathie, Fersenschalen
Kostenübernahme
KVG
Die unerlässliche Vorabklärung, um die konservative Behandlung abzustimmen.